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Kralj Lear

Einige Analysen weisen darauf hin, dass Lears Wahnsinn, wie ihn Shakespeare konzipiert hat, nicht nur der Auslöser des dramatischen Geschehens ist, sondern auch ein Spiegel des historischen Moments, in dem sich die damalige Gesellschaft befand. Eine heutige Lektüre von König Lear zeichnet erneut eine zeitgenössische gesellschaftliche Realität nach, wiederum am Rande großer politischer Veränderungen und Spaltungen.

Der gealterte König Lear beschließt, nachdem er seine jüngste Tochter Cordelia verstoßen hat, sein Königreich zwischen seinen Töchtern Goneril und Regan aufzuteilen. Er plant, abwechselnd bei ihnen zu leben, doch die beiden – bereits erschöpft und durch sein Alter und seine Unberechenbarkeit gereizt – stellen ihm Ultimaten, die ihm seine Macht und Autorität entziehen. König Lear ist ein Drama über Gewalt, eine radikale Analyse sozialer und zwischenmenschlicher Beziehungen, die im Vakuum eines Machtübergangs entstehen. Es ist Gramscis „Zeit der Monster“, in der die alte Welt noch nicht gestorben ist, während die neue sich erst zu etablieren versucht. Eine Welt, in der die alten Götter nicht freiwillig und friedlich gehen wollen, sondern stattdessen Wahnsinn und Chaos säen.

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