Boško in Admira
Wir danken Marko Turk und Boštjan Videmšek.
Publikumspreis beim Festival Fast Forward (2025)
Ausgangspunkt des Projekts ist eine Fotografie eines umarmten toten Paares auf der Vrbanja-Brücke. Die Muslimin Admira Ismić und der orthodoxe Christ Boško Brkić versuchten 1993, aus dem belagerten Sarajevo zu fliehen, wurden jedoch kurz vor der Grenze von einem Scharfschützen erschossen. Zwei Amerikaner, der Fotograf Mark H. Milstein und der Journalist Kurt Schork, nannten das Paar das Sarajevo Romeo und Julia und machten aus dem tragischen Tod zweier junger Menschen eine sensationelle Geschichte, wobei ihre Körper zu einem Bild der von Krieg zerstörten Liebe wurden.
In dieser Fotografie verbergen sich zahlreiche unbeantwortete Fragen – darüber, wie die Öffentlichkeit auf solche Bilder reagiert und ob manche Geschichten, manche Leben wichtiger erscheinen als andere. Über das konkrete Bild hinaus eröffnet sich eine breitere Problematik der Kriegsfotografie: ihr Zweck, ihre Zielsetzung, ihre Ethik, ihre Wirksamkeit und ihre Fähigkeit zu schockieren. Zwischen der Verherrlichung von Gewalt und der Aufdeckung der Schrecken des Krieges befindet sie sich in einer ähnlichen Position wie das Theater – sie versucht, über das zu sprechen, was sich eigentlich nicht in Worte fassen lässt.